Zahlen & Fakten | ZsN 2020

Gewalt an Frauen

Nach wie vor sind Frauen und Mädchen in aller Welt Opfer von Gewalt – auch in Deutschland. Diese Frauen leiden unter den unmittelbaren und langfristigen physischen, sexuellen und psychischen Folgen.

Gewalt an Mädchen und Frauen ist eine der am weitesten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen. Weltweit erfahren über 30 Prozent aller Frauen Gewalt. So die Statistik der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2015.

"Im Durchschnitt wird jede dritte Frau
Opfer einer Gewalttat, einer Vergewaltigung
oder eines Angriffs."

Susanne von Bassewitz, Präsidentin Zonta International 2018 - 2020


zum Vergrößern anklicken | © United Nations

TRAURIGER ALLTAG – AUCH IN DEUTSCHLAND

Partnerschaftsgewalt

Jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch ihren Ehemann oder (Ex-)Partner

  • 117 Frauen starben im vergangenen Jahr in Deutschland durch die Hand des Partners oder Ex-Partners.• Bei gut der Hälfte der Fälle der Tötungsdelikte (49,2 Prozent) war der Täter der Ehepartner.
  • In 66,6 Prozent der Fälle von Stalking, Bedrohung und Nötigung waren die Täter die ehemaligen Partner.

Zuhause nicht sicher.

  • Fast 50,5 Prozent der von Partnerschaftsgewalt Betroffenen lebten mit dem Partner in einem Haushalt.

Betroffen sind überwiegend Frauen.

  • Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution:
    141.792 Menschen wurden in Deutschland im Jahr 2019 Opfer von Partnerschaftsgewalt. Rund 81 Prozent davon waren Frauen.
  • Bei sexuellen Übergriffen, sexueller Nötigung und Vergewaltigung waren 98,1 Prozent der Betroffenen weiblich.
  • Bei Zuhälterei und Zwangsprostitution sind es annährend 100 Prozent.

Steigende Tendenz.

• Die Gesamtzahl der Taten partnerschaftlicher Gewalt ist seit ihrer erstmaligen Erfassung 2014 um 11,2 Prozent gestiegen, innerhalb des vergangenen Jahres (von 2018 bis 2019) um 0,74 Prozent.

Tatverdächtig sind überwiegend Männer.

• 79,4 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer.

Die Zahlen stammen aus der Kriminalstatistischen Auswertung des BKA zur Partnerschaftsgewalt 2020.

Der BKA Bericht kann hier heruntergeladen werden

Geschlechterspezifische und sexualisierte Gewalt | allgemein

Gewaltkriminalität insgesamt richtet sich vor allem gegen Frauen und Mädchen.

  • Im gesamten Bereich der Gewaltkriminalität waren 85,3 Prozent der Opfer weiblichen und 14,7 Prozent der Opfer männlichen Geschlechts.

Geschlechterspezifische und sexualisierte Gewalt nehmen zu.

  • Die Zahl der Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung sowie die Zahl sexueller Übergriffe nahm im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent zu. Die Gesamtzahl lag bei 9.426 Fällen.
  • Gestiegen ist mit 10,9 Prozent auch die Zahl der Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern. Einen so hohen Anstieg gab es noch nie. Das BKA verweist in diesem Zusammenhang auf die intensivierten Ermittlungsbemühungen. Insgesamt waren es 13.670 Fälle.

Die Täter stammen in der Hälfte der Fälle aus dem persönlichen Umfeld.

  • 2019 wurden 69.881 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewalt oder Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses begangen. Die Täter waren in 93,2 Prozent der Fälle männlich.
  • Nahezu jede zweite Straftat wurde von Verwandten oder Personen aus dem näheren Bekanntenkreis verübt.
  • 85 Prozent der Opfer bei Mord oder vollendetem Totschlag sind weiblich.
  • Bei Straftaten gegen die persönliche Freiheit sind es 59,9 Prozent, bei Körperverletzung 66 Prozent. Die Täter stammen zumeist aus dem persönlichen Umfeld. Bei Stalking sind in 39,2 Prozent der aktuelle oder der ehemalige Partner tatverdächtig.

Die Zahlen stammen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik - PKS 2019.

Alle diese Zahlen stehen für das so genannte Hellfeld. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Straftaten liegt deutlich höher, denn noch immer lassen die Kontrolle durch den Täter und die Angst vor Repressalien die Betroffenen davor zurückschrecken, sich die notwendige Hilfe zu holen.

Die EU-Studie 'Gewalt gegen Frauen' der European Union Agency For Fundamental Rights von 2014 schätzt, dass fast die Hälfte der von körperlicher und sexueller Gewalt Betroffenen sich niemandem dazu anvertrauen. Sie schweigen vor allem dann, wenn der Täter der aktuelle oder frühere Beziehungspartner ist oder war.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

In Deutschland fehlen rund 14.600 Plätze in Frauenhäusern

Gemäß Istanbul Konvention soll es pro 10.000 Einwohner (also Männer, Frauen und Kinder) einen sogenannten „Family Place" als Schutzraum geben.

Das ist die statistische Berechnungsgröße. Viele Frauen, die Schutz suchen müssen, benötigen auch Platz für ihr Kind oder ihre Kinder. Hochgerechnet bedeutet das: Deutschland braucht 21.400 Plätze in Frauenhäusern. Tatsächlich gibt es nur 6.800. Neun Jahre nach der Unterzeichnung der Istanbul Konvention ist die Bundesrepublik mit 14.600 Plätzen im Soll. Für von häuslicher Gewalt Betroffene und ihre Kinder ein unhaltbarer Zustand.

Folgen von Partnerschaftsgewalt

Neben physischen Verletzungen beeinträchtigen psychische Traumafolgestörungen das Leben der Betroffenen. Durch indirekte oder direkte Gewalterfahrungen traumatisiert sind dabei häufig auch ihre Kinder.

Als konkrete Folgen zählt die EU-Studie 'Gewalt gegen Frauen' der European Union Agency For Fundamental Rights von 2014 den Verlust des Selbstbewusstseins, das Gefühl der Verletzlichkeit, Schlafstörungen und Ängste auf.

Anhaltende Gewalterfahrungen in Partnerschaft und Familie führen zu schweren, chronisch verlaufenden psychischen Erkrankungen mit intensivem Therapiebedarf wie zum Beispiel Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen